Endometriose: Die unterschätzte Volkskrankheit – und warum Unternehmen jetzt handeln sollten

Schmerzen bei der Periode sind doch normal? Für Millionen Frauen ist das bittere Realität – und zugleich ein weit verbreitetes Missverständnis. Denn was als „normale Beschwerden“ abgetan wird, kann eine ernsthafte Erkrankung sein: Endometriose. Noch immer fehlt es an Aufklärung – auch in der Arbeitswelt. In diesem Artikel zeigen wir, warum das Thema Unternehmen direkt betrifft, welche Auswirkungen es auf den Arbeitsalltag hat und wie Arbeitgeber ihre Mitarbeiterinnen konkret unterstützen können.
Endometriose Arbeitgeber

Was ist Endometriose – und wen betrifft sie?

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst – etwa an Eierstöcken, Eileitern oder im Bauchraum. Die betroffenen Frauen leiden häufig unter starken Regelschmerzen, chronischer Erschöpfung, Verdauungsbeschwerden, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und zum Teil unter Unfruchtbarkeit. Viele erleben zudem Zyklusunregelmäßigkeiten, Rücken- oder Beinschmerzen und dauerhafte Beschwerden, die weit über die Menstruation hinausgehen.

Trotz ihrer Häufigkeit wird Endometriose noch immer nicht als das wahrgenommen, was sie ist: eine Volkskrankheit. Laut der Weltgesundheitsorganisation ist etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter betroffen – in Deutschland sind das über zwei Millionen. Expert*innen gehen sogar davon aus, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt, da viele Betroffene über Jahre keine Diagnose erhalten. Der Weg zur Diagnose dauert durchschnittlich sieben bis zehn Jahre – ein Zeitraum, in dem die Lebensqualität der Betroffenen erheblich eingeschränkt ist.

In der medizinischen Versorgung fehlt es bislang häufig an standardisierten Diagnosepfaden, an Wissen in der Breite und an spezialisierten Endometriosezentren. Viele Betroffene fühlen sich nicht ernst genommen oder irrtümlich mit psychosomatischen Diagnosen abgefertigt.

Unerfüllter Kinderwunsch, psychische Belastung – und gesellschaftliche Kosten

Endometriose ist eine der häufigsten Ursachen für unerfüllten Kinderwunsch. Studien zufolge betrifft sie bis zu 50 % der ungewollt kinderlosen Frauen. Durch Verwachsungen, entzündliche Prozesse oder hormonelle Dysbalancen kann es zu Eileiterblockaden oder einer reduzierten Eizellqualität kommen. Häufig sind reproduktionsmedizinische Behandlungen notwendig, etwa Inseminationen oder künstliche Befruchtungen, die nicht nur körperlich und seelisch belastend sind, sondern auch hohe Kosten verursachen – teils für die Betroffenen selbst, teils für die Arbeitgeber im Rahmen von Fehlzeiten oder Zusatzleistungen.

Auch psychisch sind die Auswirkungen tiefgreifend. Das Leben mit chronischen Schmerzen, der soziale Rückzug, der unerfüllte Kinderwunsch und das Unverständnis im privaten wie beruflichen Umfeld führen bei vielen Betroffenen zu Erschöpfung, Angststörungen oder Depressionen. Studien zeigen eine signifikant erhöhte Rate psychischer Begleiterkrankungen bei Frauen mit Endometriose.

Trotz dieser weitreichenden gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen ist die öffentliche Forschungslage dünn. Die Forschungsausgaben für Endometriose liegen weit unter dem Niveau anderer chronischer Erkrankungen vergleichbarer Prävalenz. Es fehlt an systematischer Aufklärung, Versorgungsstrukturen und politischen Maßnahmen.

Endometriose am Arbeitsplatz – unsichtbar, aber teuer

Viele Arbeitgeber unterschätzen, welche Auswirkungen Endometriose auf den Arbeitsalltag haben kann – und damit auch auf ihr Unternehmen:

  • Fehlzeiten: An starken Schmerztagen sind Betroffene oft nicht arbeitsfähig. Manche fehlen regelmäßig, andere versuchen durchzuhalten – was langfristig zu Erschöpfung und Burnout führen kann.

  • Präsentismus: Viele Mitarbeiterinnen mit Endometriose arbeiten trotz Beschwerden. Die Folge: eingeschränkte Konzentration, langsameres Arbeiten, höhere Fehlerquoten – mit direkten Auswirkungen auf Produktivität und Qualität.

  • Karriereeinschränkungen: Betroffene verzichten auf Beförderungen, reduzieren ihre Arbeitszeit oder ziehen sich ganz zurück – nicht, weil sie weniger motiviert sind, sondern weil Strukturen fehlen, die sie auffangen.

  • Reproduktionsmedizinische Behandlungen: Die notwendige medizinische Unterstützung bei unerfülltem Kinderwunsch bedeutet weitere Abwesenheiten, psychischen Druck und häufig längere Behandlungszeiträume – mit Folgen für das Team und das Unternehmen.

  • Gesamtwirtschaftlicher Schaden: Studien schätzen, dass Endometriose Deutschland jedes Jahr mehrere Milliarden Euro kostet – vor allem durch indirekte Kosten wie Produktivitätsverluste, krankheitsbedingte Ausfälle und Frühverrentungen.

Die meisten dieser Effekte entstehen nicht durch die Erkrankung selbst, sondern durch zu späte Diagnosen, mangelnde Unterstützung und fehlendes Wissen – auch im Unternehmenskontext.

Was können Unternehmen tun – und warum es sich lohnt

Endometriose ist kein reines „Privatproblem“. Für Arbeitgeber ist es sinnvoll – auch aus ökonomischer Perspektive – die gesundheitliche Realität ihrer Mitarbeiterinnen ernst zu nehmen. Denn wer früh unterstützt, verhindert langfristige Ausfälle, erhöht die Zufriedenheit im Team und stärkt die Bindung zum Unternehmen.

Das können Unternehmen konkret tun:

  • Aufklären und sensibilisieren: Informationen zu Frauengesundheit – etwa durch interne Kampagnen, Workshops oder eine Plattform wie Onuava – helfen, Symptome frühzeitig zu erkennen und Erkrankungen besser zu verstehen.

  • Zugang zu Diagnostik und Behandlung ermöglichen: Über betriebliche Krankenversicherungen oder ergänzende Gesundheitsservices können Unternehmen gezielt Versorgungslücken schließen.

  • Flexibilität bieten: Homeoffice, Gleitzeit oder individuelle Arbeitszeitmodelle schaffen Freiräume, wenn körperliche Beschwerden besonders stark sind oder medizinische Termine anstehen.

  • Führungskräfte schulen: Führungskräfte sollten lernen, wie sie mit unsichtbaren Erkrankungen respektvoll und offen umgehen – ohne in medizinische Details einzusteigen, aber mit klarer Haltung für Inklusion und Gesundheit.

  • Aktives Gesundheitsmanagement etablieren: Wer reproduktive Gesundheit als festen Bestandteil des betrieblichen Gesundheitsmanagements verankert, positioniert sich als moderner Arbeitgeber – und begegnet dem demografischen Wandel mit Weitsicht.

Häufige Fragen von Arbeitgebern: Was tun wenn Mitarbeiterinnen Endometriose haben?

1. Müssen wir als Arbeitgeber medizinische Diagnosen kennen oder dokumentieren?
Nein. Es geht nicht um medizinische Details – sondern um ein Klima des Vertrauens und Verständnisses. Schon die Möglichkeit, offen über Herausforderungen zu sprechen, kann für betroffene Mitarbeiterinnen eine große Entlastung sein.

2. Ist das Thema wirklich relevant – auch bei geringem Frauenanteil im Unternehmen?
Ja. Schon eine betroffene Mitarbeiterin kann im Team oder in der Organisation langfristig ausfallen – oder kündigen, wenn sie sich nicht gesehen fühlt. Auch Partnerinnen von männlichen Mitarbeitern können betroffen sein, was sich auf deren psychische Belastung auswirkt.

3. Was kostet uns das?
Viele Maßnahmen wie Aufklärung, Schulung oder Flexibilität verursachen kaum Zusatzkosten. Im Gegenteil: Sie verhindern langfristig kostenintensive Ausfälle, stärken die Bindung und verbessern das Arbeitsklima.

4. Wo fangen wir an?
Der Einstieg ist niedrigschwellig: über eine interne Awareness-Kampagne, ein Health-Webinar oder die Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnern wie Onuava.

Wie Onuava Unternehmen und Mitarbeiterinnen unterstützt

Bei Onuava unterstützen wir Unternehmen dabei, reproduktive Gesundheit ganz praktisch und alltagstauglich in der Arbeitswelt zu verankern. Unsere Plattform bietet fundierte Informationen, Zugang zu ärztlicher Beratung und individuelle Begleitung – z. B. bei Endometriose, Kinderwunsch oder anderen frauenspezifischen Gesundheitsthemen. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass weniger Frauen durch das Raster fallen – und dass Arbeitgeber nicht länger wegsehen.

Endometriose betrifft Millionen – auch am Arbeitsplatz. Es ist an der Zeit, das Schweigen zu brechen. Und es ist im Interesse aller, aktiv zu handeln.

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