Ein unerfüllter Kinderwunsch kann für viele Menschen eine emotionale und körperliche Herausforderung darstellen. Obwohl es sich um ein persönliches Thema handelt, wirkt es sich oft massiv auf den Arbeitsalltag der Betroffenen aus. Der Druck, berufliche Verpflichtungen mit medizinischen Behandlungen und den emotionalen Belastungen einer Kinderwunschreise zu vereinbaren, kann enorm sein. Wenn dieses Thema am Arbeitsplatz tabuisiert wird, führt dies nicht nur zu zusätzlichem Stress, sondern auch zu einem Gefühl der Isolation und fehlender Unterstützung. Viele Mitarbeitende zögern, ihre Situation offenzulegen, weil sie negative berufliche Konsequenzen oder mangelndes Verständnis seitens ihrer Führungskräfte oder Kolleg*innen befürchten.
Genau hier setzt eine Fertility Policy an. Sie bietet klare, einheitliche Regelungen, die für alle Mitarbeitenden gelten und transparent kommuniziert werden. Dadurch wird sichergestellt, dass alle Beschäftigten unabhängig von ihrer individuellen Situation oder ihrem Team dieselben Rechte und Möglichkeiten erhalten. Eine gut durchdachte Fertility Policy schafft Verbindlichkeit und Struktur, sodass Führungskräfte und Mitarbeitende genau wissen, welche Unterstützungsangebote bestehen und wie sie genutzt werden können. Sie hilft dabei, Unsicherheiten und Willkür zu vermeiden und sorgt für eine konsistente und faire Handhabung des Themas im Unternehmen.
Warum eine Fertility Policy wichtig ist
Der unerfüllte Kinderwunsch und der Umgang mit Fehlgeburten sind für viele Menschen eine herausfordernde Phase im Leben. Diese Herausforderungen enden jedoch nicht an der Bürotür, sondern begleiten die Betroffenen auch in ihren beruflichen Alltag. Studien zeigen, dass 90 % der Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch Anzeichen von Depressionen entwickeln. Zusätzlich geben 26 % an, dass sie ihre Arbeitszeit reduzieren oder den Job kündigen, weil es für sie schwierig ist, ihre medizinischen Behandlungen mit den beruflichen Anforderungen zu vereinbaren. Fehlgeburten sind ein weiteres sensibles Thema, das viele Menschen betrifft, aber selten offen angesprochen wird. Ohne offizielle Regelungen bleibt den Betroffenen oft keine Wahl, als sich krankzumelden oder ihre Belastung still mit sich selbst auszumachen.
Es ist dabei wichtig zu betonen, dass eine Fertility Policy keineswegs bedeutet, dass Mitarbeitende ihre persönliche Situation offenlegen oder mit ihrem Arbeitgeber über ihren Kinderwunsch sprechen müssen. Ganz im Gegenteil – sie sorgt dafür, dass eine unterstützende Struktur vorhanden ist, falls Betroffene sich überfordert fühlen und Unterstützung wünschen. Niemand muss seine reproduktive Gesundheit am Arbeitsplatz thematisieren, aber diejenigen, die es brauchen, sollen eine klare Möglichkeit haben, Hilfe in Anspruch zu nehmen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
Ein fehlendes Bewusstsein für diese Herausforderungen im Unternehmen führt oft zu einer zusätzlichen psychischen Belastung für Betroffene. Der Mental Load – also die unsichtbare, emotionale und kognitive Belastung – steigt erheblich, wenn Mitarbeitende sich zwischen ihrem Kinderwunsch, den notwendigen medizinischen Maßnahmen und ihren beruflichen Anforderungen zerreißen müssen. Diese Mehrfachbelastung kann sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken und zu schlechterer Arbeitsleistung, erhöhter Fehlzeit oder sogar zur Entscheidung führen, den Job zu kündigen. Eine Fertility Policy schafft Abhilfe, indem sie eine klare, strukturierte Lösung bietet und Stress für Betroffene reduziert.
Vorteile für die Mitarbeitenden
Unterstützungsmaßnahmen rund um das Thema Kinderwunsch verbessern die Vereinbarkeit von Beruf und reproduktiver Gesundheit und gibt Mitarbeitenden die Möglichkeit, sich medizinisch und emotional zu stabilisieren, ohne sich zwischen ihrer Behandlung und ihrem Job entscheiden zu müssen.
Die Dokumentation im Rahmen einer Fertility Policy schafft Klarheit darüber, welche Unterstützungsangebote existieren, und reduziert Unsicherheiten im Umgang mit Fehlzeiten oder medizinischen Notwendigkeiten. Eine einfach zugängliche Richtlinie stellt sicher, dass sich alle Mitarbeitenden anonym über die bestehenden Unterstützungsmaßnahmen informieren können, ohne bei HR nachfragen zu müssen.
Eine solche Policy vermittelt zudem das Gefühl, wertgeschätzt und ernst genommen zu werden. Dies kann die emotionale Belastung verringern und zu einer positiven Grundhaltung gegenüber dem Arbeitgeber beitragen. Allein die Tatsache, dass der Arbeitgeber sich darüber Gedanken gemacht hat, ist ein positives Signal.
Die zentralen Elemente einer Fertility Policy
Eine Fertility Policy sollte nicht nur einzelne Maßnahmen enthalten, sondern eine umfassende Strategie zur Unterstützung von Mitarbeitenden bieten. Eine der wichtigsten Komponenten ist die Schaffung klarer und einheitlicher Standards, die für alle Mitarbeitenden gelten. Es ist entscheidend, dass die Regelungen nachvollziehbar und transparent sind, sodass Führungskräfte und Personalabteilungen in der Lage sind, sie konsequent und gerecht anzuwenden. Ohne eine klar definierte Fertility Policy besteht die Gefahr, dass Unterstützungsangebote je nach Team oder Führungskraft unterschiedlich gehandhabt werden. Dies kann zu Frustration, Ungleichbehandlung und einer Atmosphäre der Unsicherheit führen.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil einer Fertility Policy ist die Bereitstellung gezielter Aufklärungsmaßnahmen und Schulungen für alle Mitarbeitenden und speziell für Führungskräfte. Diese helfen dabei, das Bewusstsein für das Thema zu stärken und eine offene Gesprächskultur zu fördern. Zusätzlich sollten Mitarbeitende die Möglichkeit haben, flexibel zu arbeiten oder Freistellungen in Anspruch zu nehmen, um medizinische Behandlungen oder emotionale Erholungszeiten wahrzunehmen. Eine effektive Fertility Policy umfasst beispielsweise bis zu fünf Tage Freistellung nach einer Fehlgeburt – auch für Partner*innen und auch bei Fehlgeburten vor der 12. SSW – sowie zusätzliche freie Tage für Klinikbesuche.
Neben diesen strukturellen Maßnahmen ist es essenziell, dass Betroffene eine verlässliche Anlaufstelle im Unternehmen haben. Dies können formelle Ansprechpersonen in der HR-Abteilung sein oder informelle Unterstützungsnetzwerke wie Employee Resource Groups (ERG), die Raum für Austausch und Solidarität bieten. Darüber hinaus sollten Mitarbeitende Zugang zu externen Beratungsangeboten haben, die anonym und unabhängig genutzt werden können. Psychologische Unterstützung und Expertenberatung sind wertvolle Ressourcen, um mit den Herausforderungen eines unerfüllten Kinderwunsches oder einer Fehlgeburt besser umgehen zu können.
Vorteile für Unternehmen
Die Einführung einer Fertility Policy bringt nicht nur Vorteile für die betroffenen Mitarbeitenden, sondern auch für das gesamte Unternehmen. Zum einen reduziert eine strukturierte und transparente Regelung den Stress für Betroffene erheblich, da sie genau wissen, welche Unterstützung ihnen zur Verfügung steht und wie sie diese in Anspruch nehmen können. Dies führt zu einer gesünderen, produktiveren und zufriedeneren Belegschaft.
Darüber hinaus stärkt eine Fertility Policy die Arbeitgeberattraktivität. Unternehmen, die sich aktiv für das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden einsetzen, haben eine stärkere Bindung zu ihren Teams und sind für neue Talente besonders interessant. In einer Zeit, in der der Fachkräftemangel viele Unternehmen vor große Herausforderungen stellt, kann eine klare Fertility Policy ein entscheidender Faktor für die Mitarbeitergewinnung sein. Eine Umfrage zeigt, dass 46 % der Generation Z Fertility Benefits als wichtiges Kriterium bei der Jobwahl betrachten. Unternehmen, die eine solche Policy implementieren, können sich als moderne und mitarbeiterfreundliche Arbeitgeber positionieren.
Nicht zuletzt trägt eine Fertility Policy zu einer inklusiven Unternehmenskultur bei. Sie zeigt, dass das Unternehmen das Thema reproduktive Gesundheit ernst nimmt und dass es allen Mitarbeitenden, unabhängig von Geschlecht oder Familienstand, Unterstützung bietet. Insbesondere nicht-gebärende Partner*innen profitieren von Freistellungsangeboten nach einer Fehlgeburt, da ihr emotionaler Stress oft unterschätzt wird. Eine solche Kultur der Fürsorge stärkt das Vertrauen in das Unternehmen und sorgt für eine langfristige Mitarbeiterbindung.
Der Wert von Social Freezing für Arbeitgeber
Für Unternehmen bringt die Unterstützung von Social Freezing ebenfalls zahlreiche Vorteile mit sich. In einer Zeit, in der die Generation Z großen Wert auf Work-Life-Balance und persönliche Lebensplanung legt, kann das Angebot von Fertility Benefits wie Social Freezing ein entscheidender Faktor im Wettbewerb um Talente sein. Studien zeigen, dass 46% der jungen Fachkräfte Fertility Benefits als wichtig erachten. Zudem machen sich drei von fünf Personen in der Altersgruppe von 25-35 Jahren Sorgen um ihre Fruchtbarkeit. Ein entsprechendes Angebot kann hier gezielt Ängste reduzieren und das Unternehmen als modernen und mitarbeiterorientierten Arbeitgeber positionieren.
Auch aus Sicht der Mitarbeitendenbindung ist Social Freezing ein starkes Instrument. Mitarbeitende, die in solch persönlichen Bereichen durch ihren Arbeitgeber unterstützt werden, zeigen oft eine höhere Loyalität und Zufriedenheit. Das Gefühl, in wichtigen Lebensentscheidungen Rückhalt zu erfahren, stärkt die Bindung ans Unternehmen nachhaltig. Zudem können durch frühzeitiges Social Freezing teurere und kompliziertere Fruchtbarkeitsbehandlungen in späteren Jahren vermieden werden, was sowohl für die Mitarbeitenden als auch für das Unternehmen finanzielle Vorteile bringt.
Fazit
Eine Fertility Policy ist nicht nur ein Zeichen von Fürsorge, sondern ein essenzieller Bestandteil einer modernen und inklusiven Unternehmenskultur. Sie schafft verbindliche Standards, die für alle Mitarbeitenden gelten, und bietet klare Regelungen, um Unsicherheiten und Ungleichbehandlung zu vermeiden. Eine solche Policy ermöglicht es Betroffenen, ihre Herausforderungen offen anzusprechen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
Unternehmen, die eine Fertility Policy einführen, profitieren von zufriedeneren, gesünderen und loyaleren Mitarbeitenden. Gleichzeitig positionieren sie sich als fortschrittliche Arbeitgeber, die das Wohl ihrer Mitarbeitenden ernst nehmen. Indem sie ein klares Signal der Unterstützung senden, können sie dazu beitragen, dass reproduktive Gesundheit kein Tabuthema mehr ist, sondern als selbstverständlicher Bestandteil des Arbeitslebens anerkannt wird.
Wie Onuava unterstützen kann
Onuava hat es sich zur Aufgabe gemacht, Unternehmen und ihre Mitarbeitenden in Fragen der Fruchtbarkeit und Familienplanung sowie allen reproduktionsmedizinischen Fragen umfassend zu unterstützen. Wir unterstützen Unternehmen dabei, eine Fertility Policy für ihre spezifische Unternehmenssituation zu erarbeiten. Gemeinsam mit unseren Trainer*innen erarbeiten wir gemeinsam in Co-Creation Workshops spezifische Maßnahmen und helfen beim internen Stakeholder-Management. Unternehmen profitieren von unserer Erfahrung und unseren Vorlagen, die flexibel angepasst werden können.