Einleitung
Bleibt der Kinderwunsch unerfüllt, richtet sich der Blick meist zuerst auf die Frau, auf ihren Zyklus, ihre Hormone oder die Eizellqualität. Medizinisch ist das nicht gerechtfertigt, denn bei etwa jedem zweiten Paar mit unerfülltem Kinderwunsch spielt ein männlicher Fertilitätsfaktor eine Rolle, sei es allein oder gemeinsam mit weiblichen Ursachen.
Trotz dieser Zahlen wird über männliche Fertilität beziehungsweise männliche Unfruchtbarkeit deutlich seltener gesprochen als über weibliche. Ein zentraler Faktor ist Scham. Für viele Männer ist die Vorstellung, eingeschränkt fruchtbar zu sein, eng mit dem eigenen Selbstbild verknüpft, obwohl dieser Zusammenhang medizinisch unbegründet ist. In der Folge suchen sie später ärztlichen Rat, ordnen Symptome falsch ein oder lassen sich erst gar nicht untersuchen, oft erst dann, wenn der Kinderwunsch bereits über längere Zeit unerfüllt bleibt.
Fundierte Aufklärung kann diesem Muster entgegenwirken, sie reduziert Unsicherheit, entkräftet unbegründete Vorstellungen und hilft Männern, frühzeitig aktiv zu werden.
Was bedeutet männliche Infertilität
Die WHO definiert Infertilität als ausbleibende Schwangerschaft trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr über einen Zeitraum von 12 Monaten. Ab diesem Zeitpunkt wird eine Untersuchung empfohlen, sofern keine Vorerkrankungen oder Risikofaktoren bekannt sind, andernfalls kann eine frühere Abklärung sinnvoll sein. Diese Definition bezieht sich zunächst auf das Paar als Ganzes und sagt noch nicht, ob die Ursache beim Mann, bei der Frau oder bei beiden liegt.
Von einem männlichen Fertilitätsfaktor spricht man erst dann, wenn bei der Untersuchung des Mannes Auffälligkeiten festgestellt werden, die die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft beeinträchtigen können. Das kann zum Beispiel die Anzahl, Beweglichkeit oder andere Eigenschaften der Spermien betreffen, aber auch hormonelle, genetische oder anatomische Faktoren. Wichtig ist dabei, dass der Mann von Anfang an mit untersucht wird und nicht erst dann, wenn bei der Frau kein eindeutiger Befund gefunden wurde. Leitlinien empfehlen ausdrücklich eine parallele Abklärung beider Partner.
Ein auffälliger Befund bedeutet dabei nicht automatisch, dass eine natürliche Schwangerschaft ausgeschlossen ist, ein unauffälliger Befund garantiert umgekehrt aber auch keine Schwangerschaft. Denn ob es dazu kommt, hängt von vielen Faktoren auf beiden Seiten ab, unter anderem vom Zyklus und der Fruchtbarkeit der Partnerin sowie vom Zufall.
Gibt es Symptome für eingeschränkte männliche Fruchtbarkeit?
Die meisten Männer bemerken von einer eingeschränkten Fruchtbarkeit zunächst nichts, weder Schmerzen noch andere spürbare Beschwerden. Oft wird das Problem erst erkannt, wenn trotz bestehendem Kinderwunsch über längere Zeit keine Schwangerschaft eintritt.
In manchen Fällen treten jedoch körperliche Anzeichen auf, zum Beispiel Veränderungen im Hodenbereich wie Schwellungen oder Knoten, eine verminderte Libido, Schmerzen im Genitalbereich oder Hinweise auf ein hormonelles Ungleichgewicht wie anhaltende Müdigkeit oder eine veränderte Körperbehaarung.
Diese Symptome sind jedoch nicht eindeutig. Sie können ganz unterschiedliche Ursachen haben und müssen nicht mit der Fruchtbarkeit zusammenhängen. Eine Selbstdiagnose ist deshalb nicht sinnvoll. Wer solche Veränderungen bei sich feststellt, sollte dies ärztlich abklären lassen.
Wie wird männliche Fruchtbarkeit untersucht?
Die Abklärung beginnt in der Regel mit einem ärztlichen Gespräch, in dem mögliche Vorerkrankungen, Medikamente und Risikofaktoren besprochen werden. Anschließend kann eine körperliche Untersuchung erfolgen.
Ein zentraler Bestandteil ist das Spermiogramm. Dafür gibt der Mann eine Samenprobe ab, die anschließend im Labor untersucht wird. Beurteilt werden dabei vor allem die Spermienkonzentration (wie viele Spermien vorhanden sind), die Motilität (wie beweglich sie sind) und die Morphologie (welche Form sie haben), da diese Faktoren die Fertilität des Mannes beeinflussen.
Ein einzelner auffälliger Wert bedeutet dabei nicht automatisch, dass ein Mann unfruchtbar ist. Da die Werte von Probe zu Probe schwanken können, muss ein Spermiogramm bei Auffälligkeiten oft wiederholt werden, um ein verlässliches Gesamtbild zu bekommen.
Je nach Befund können zusätzliche Untersuchungen sinnvoll sein, zum Beispiel Hormonanalysen, Ultraschall oder genetische Tests. Welche Untersuchungen notwendig sind, hängt von der individuellen Situation ab.
Welche Ursachen können hinter eingeschränkter männlicher Fruchtbarkeit stehen?
Eine eingeschränkte männliche Fruchtbarkeit kann unterschiedliche Ursachen haben, etwa Störungen der Spermienproduktion, hormonelle Veränderungen oder anatomische Probleme wie einen Verschluss der Samenwege. Auch bestimmte Erkrankungen, Infektionen oder medizinische Behandlungen können eine Rolle spielen.
Daneben können Lebensstilfaktoren wie Rauchen, starkes Übergewicht oder hoher Alkoholkonsum eine Rolle spielen, sind aber nicht automatisch die alleinige Ursache. Zudem lässt sich die Ursache nicht immer eindeutig feststellen, selbst nach ausführlicher Untersuchung.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Welche Behandlung infrage kommt, hängt von der Ursache und der individuellen Situation ab. Möglich sind etwa operative Behandlungen, medikamentöse Therapien oder die Behandlung einer zugrunde liegenden Erkrankung. Auch ein gesünderer Lebensstil, etwa weniger Rauchen und Alkohol oder ein gesünderes Körpergewicht, kann sich unterstützend auswirken.
Lässt sich die Fruchtbarkeit dadurch nicht ausreichend verbessern oder bleibt die Ursache unklar, gibt es außerdem Verfahren der künstlichen Befruchtung wie Insemination, IVF oder ICSI, mit denen eine Schwanerschaft trotzdem möglich ist.
Bedeutung für Betroffene
Eine eingeschränkte Fruchtbarkeit hat nichts mit Männlichkeit oder der sexuellen Leistungsfähigkeit zu tun, kann aber trotzdem für viele Männer eine psychische Belastung darstellen, gerade wenn ein starker Kinderwunsch besteht.
Deshalb sollte man eine Untersuchung nicht aus Scham meiden. Das Spermiogramm ist unkomplizierter, als viele denken. Es handelt sich lediglich um die Abgabe einer Samenprobe, die inzwischen bei vielen Anbietern bequem von zuhause aus möglich ist. Auch im Onuava Shop gibt es ein entsprechendes Test-Kit, mit dem sich die eigene Spermienqualität diskret und unkompliziert überprüfen lässt, anschließend werden die Werte von einem erfahrenen Andrologen eingeordnet.
Fazit
Unfruchtbarkeit ist kein reines Frauenthema, sondern betrifft Männer genauso häufig. Da eine eingeschränkte Fruchtbarkeit oft keine eindeutigen Symptome verursacht, wird sie bei vielen Männern erst im Rahmen des Kinderwunsches entdeckt. Die Basis der Abklärung bilden die medizinische Vorgeschichte, eine körperliche Untersuchung und in der Regel ein Spermiogramm, welche weiteren Schritte sinnvoll sind, hängt vom individuellen Befund ab.
Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit der eigenen Fruchtbarkeit hilft, Unsicherheiten abzubauen und Klarheit zu schaffen, für den Einzelnen wie für den gemeinsamen Kinderwunsch. Der erste Schritt ist oft ein offenes Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt, am besten einem Urologen, Andrologen oder Kinderwunschzentrum.


